Pete, I am your father
Newsletter Nr. 104 – Mehr als ein Drittel Konfessionsfreie
Pulp Fiction x Altes Testament
„Luke, I am your father.” lautet ein populäres Star-Wars-Zitat. Alleine, es stimmt so nicht ganz. Tatsächlich sagt Darth Vader zu Luke Skywalker in Episode V: „No, I am your father.” Wer es nicht glaubt, kann das Original nachsehen. Hier ein Link zum Clip.
Bei der Überprüfung der Bibel wird es ohne den begleitenden Dokumentarfilm schon schwieriger. Hat Jesus wirklich “Luke, I am your father” zum späteren Evangelisten gesagt? Und wenn ja, in welcher Sprache? Luke, Matt, Mark and John sind sich bei den Zitaten ihres Meisters Yesus oft nicht ganz grün: “Bei Ezechiel schon sicher man sich nicht kann sein!”
Und wer weiß, vielleicht wurden in Pulp Fiction die Worte Gottes nicht wie in Hesekiel 25,17, sondern tatsächlich orignalgetreu wiedergegeben. Es ist allerdings zu bezweifeln, dass US-Kriegsminister Pete Hegseth seine wilde christliche Entschlossenheit mit einem Filmzitat untermauern wollte und diese Überlegungen angestellt hat, als er versehentlich aus Pulp Fiction und nicht dem Alten Testament zitiert hat. Der Vers Samuel L. Jacksons dröhnt jedenfalls wirkmächtiger. So wie Samu-el El Jackson wirkmächtiger tönt als Samuel Jackson. Siehe dazu Peter L. Eppinger, Recep T. Erdoğan, Nikolaus D. Alm, usw. usf.
“Dreams are in your sleep.” - Stranz Van Waldenberg
Hört man sich die Scharmützel der Kriegstreiber im Rahmen der gegenwärtigen abrahamitischen Religionskriege an, gewinnt man ohnehin den Eindruck, dass US-Politiker das Christentum authentischer repräsentieren als der aktuelle Popel. JD Vance wirkt in Glaubensfragen firmer und ausgeruhter als dieser schwächlich-nervöse Prevost. Ratzinger hat wenigstens noch wie der Imperator ausgesehen.
Autorität statt Argument
Die Probleme vermeintlich falscher Zitate liegen an anderen Stellen. Zitate sind per se keine Belege, sondern oft argument from authority. Wer eine Aussage mit einem Zitat stützt, verschiebt damit die Begründungslast von Argumenten auf Autoritäten und immunisiert gegen Kritik. Solange die Quelle als unantastbar gilt – Heilige Bücher sind dafür hervorragend geeignet – gilt das Gesagte auch als unangreifbar.
“Lernen aus Geschichten?” möge man all diesen Fiktionshörigen zurufen. Menschen zitieren ständig ungenau oder falsch, egal ob aus Star Wars, Pulp Fiction und dem Alten Testament. Der Unterschied liegt im Anspruch. Wer die Bibel zitiert, reklamiert Wahrheit. Und genau das bleibt in der ganzen nachvollziehbaren Schadenfreude über Hegseth unbefragt: mit welcher Selbstverständlichkeit ein Text als Autorität herangezogen wird, dessen Wahrheitsgehalt sich dem gleichen Maßstab entzieht, den man an seine Zitate anlegt.
Der Kriegsminister hat versehentlich Tarantino für die Bibel gehalten. Movie statt Mythos. Aber das Alte Testament ist der OG im Raum, die eigentliche Pulp Fiction. Es ist älter, einflussreicher und genauso erfunden. Ein korrektes Bibelzitat wäre keinen Yoda näher an der Wirklichkeit gewesen.
Euer Bischof Niko Alm
PS: Die Tagespresse hat mich in “Konflikt mit Papst eskaliert: Trump schließt Jakobsweg” unlängst leider auch falsch zitiert. Tatsächlich habe ja ich folgendes gesagt:
„Wenn die Blockade noch eine Woche anhält, müssen wir beginnen abgelaufene Hostien zu verteilen“, warnt Bischof Niko Alm, und fügt im selben Atemzug an: “Als Abführmittel!”
Mehr als 1/3 Konfessionsfreie
Erfreuliche Nachrichten aus dem statistischen Zählwerk der Konfessionsfreien aka Kollege Balázs Bárány.
Die quartalsweise aktualisierte Hochrechnung über die Verteilung der Bevölkerungsanteile ergibt aktuell 33,5 % der Bevölkerung als konfessionsfrei. Die größten gut belegten Quellen von Konfessionsfreien sind die katholischen und evangelischen Austritte sowie Neugeborene von konfessionsfreien Eltern. Ein weiterer Anstieg ist zu erwarten.
Mehr dazu im Quartalsrückblick “Konfessionsfreie jetzt mehr als ein Drittel der Bevölkerung”, den man auch als Newsletter abonnieren kann.




