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Die Analyse vermischt biblischen Text, frühchristliche Praxis und spätere Institution. Selbst wenn Texte patriarchale Metaphern enthalten, folgt daraus nicht, dass ihre soziale Wirkung patriarchal ist – dieser Übergang wird vorausgesetzt, nicht begründet.

Patriarchat funktioniert über konkrete Mechanismen: Kontrolle über Reproduktion, Eigentum, religiöse Autorität. Das frühe Christentum verbot Kindstötung. In Rom wurde "mehr als eine Tochter praktisch nie aufgezogen" (Historiker Jack Lindsay). Christliche Mädchen überlebten – das verändert genau jene Mechanismen, über die Patriarchat wirkt. Nicht Gleichstellung, aber Machtverschiebung.

Frauen hatten institutionelle Sichtbarkeit jenseits häuslicher Rollen: Phoebe war Diakonin (Röm 16). Der heidnische Statthalter Plinius liess gezielt Diakoninnen foltern – Amtsträgerinnen, nicht passive Teilnehmerinnen.

Im römischen Recht lag Macht beim pater familias über Leben und Tod. Das Christentum entzog dieser Struktur ihre religiöse Basis, indem es Autorität von der Familie auf eine externe Gemeinde verlagerte.

Dass spätere Institutionen patriarchale Züge entwickelten, erklärt nicht deren Ursprung aus der Bewegung – sonst müsste man zeigen, dass frühchristliche Praxis diese Entwicklung notwendig machte.

Ausführlicher: https://blog.dasweizenkorn.ch/p/ist-das-christentum-ein-patriarchat

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