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Der Artikel behauptet, der liberale Staat sei weltanschaulich "neutral". Doch bereits seine Grundannahmen sind moralisch aufgeladen: Warum haben Menschen Rechte? Warum ist Freiheit ein Wert? Was genau ist "Schaden"? Bei Abtreibung, Sterbehilfe oder Redefreiheit gibt es keine "neutrale" Antwort.

Das tiefere Problem: Diese Werte schweben nicht im luftleeren Raum. Der Historiker Tom Holland (selbst kein Christ) zeigt, dass Menschenwürde und universelle Rechte historisch aus dem christlichen Menschenbild stammen. Der säkulare Liberalismus lebt parasitär von Voraussetzungen, die er selbst nicht mehr begründen kann.

Wenn Moral nur "Gewohnheit, Gefühl und Mode" ist (Paul Kurtz), lässt sich prinzipiell nicht begründen, warum "Freiheit" wichtiger sein sollte als "Volksgemeinschaft" oder "Gleichheit". Ohne transzendenten Massstab gibt es keinen Schutz vor der Umkehrung dieser Werte durch neue Mehrheiten oder Ideologien.

Der "neutrale" Staat ist kein neutraler Beobachter, sondern ein Akteur, der auf unbegründeten Prämissen operiert. Das macht ihn nicht zwingend falsch, aber instabil und letztlich selbstwidersprüchlich.

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